Kiezgespräch

1. Kiezgespräch: Ideen und Arbeitsgruppen

Am Freitag, den 4. September, fand das 1. Kiezgespräch als offene Versammlung im Karl-August-Kiez statt. Unterstützt von Fiete und Judith, Sina und Anne von KIEZConnect kamen erst eine Schar Kinder zusammen, um in Farbe und in Knete zu gestalten, was sie sich für den Kiez wünschen. Ab 17 Uhr tagten dann bis zu 80 Erwachsene auf der West-Seite des Platzes an der Krummen Straße. Es war toll zu erleben, wie viele Nachbar*innen zum Kiezgespräch kamen, neugierig waren, dabei blieben und sich und ihre Anliegen einbrachten.

Kinder beim Malen ihrer Wünsche für den Karl-August-Kiez, Charlottenburg.
Kinder wissen, was ihnen gut tut: mehr Wiesen und Bäume wünschen sie sich.

Hier veröffentlichen wir das Protokoll der ersten offenen Versammlung »1. Kiezgespräch« im Karl-August-Kiez.

Wortmeldungen im Plenum (fettgedrucktes fand besonders deutliche Zustimmung per Handzeichen)

  1. Problem- und Visionsfindung in Kleingruppen & Teilen von Ideen im Plenum
  • Die fehlende Konsequenz in der Umsetzung von politischen und zivilgesellschaftlichen Initiativen in Berlin ist ein Problem. Vieles wird angefangen, aber dann fehlt die Verantwortlichkeit
  • Kinder, ältere Leute, Fußgänger*innen, Radfahrer*innen sollen ernst genommen werden und Versprechung von Politik für deren Sicherheit auch wirklich umgesetzt werden
  • Zu wenig Platz für Kinder
  • Schöne Wohnlage wird von Verkehr kaputt gemacht: Verkehrsberuhigung muss sein! Es sollte klar markiert/abgegrenzt werden, welche Straßen für Autos, welche für Fahrräder sind, überall sollten klar markierte Radwege wie in der Kantstraße sein.
  • Raser als Problem
  • Großes Plus ist die Vielfalt von Berlin, buntes Berlin, das ist unsere Stärke
  • Die Nachbarschaftsinitiative spricht sich gegen Denunziantentums gegen Kneipen aus, dass sofort die Polizei gerufen wird, statt das Gespräch zu suchen
Versammlung von Kiezmenschen, die den Kiez aktiv mitgestalten wollen beim 1. Kiezgespräch der Kiez-Initiative.
1. Kiezgespräch mit Abstand – rund 80 Menschen aus dem Kiez haben gemeinsam Ideen gesammelt und Ziele formuliert.

  • Wunsch, dass die Sitzmöbel für die Offene Versammlung am liebsten gleich stehen bleiben – mehr Platz für Miteinander!
  • Wunsch nach einer Initiative, die sich um die Gestaltung des Karl-August-Platzes kümmert: z.B. für getrennte Hundewiese und Liegewiese, Blumenpflanzen, öffentliche Sitzmöbel
  • Für die Sperrung der Krummen Straße braucht es gesellschaftliche Akzeptanz, welche hier im Kiez gesehen wird.
  • Problem von Radfahrenden auf den Gehwegen – Sesenheimer Straße als Gegen-Vorbild
  • Angesichts umgekommener Radfahrerin Wut und Unverständnis, warum sich immer noch nichts in Verkehrsplanung gegen Rasen, für Verkehrsberuhigung tut
  • Wunsch nach sachlicher Betrachtung der Frage von Verkehrsberuhigung, weil der Unfall nichts mit Rasen zu tun hatte
  • Wir können zusammen lernen, historische Spuren im Kiez entdecken – zum Beispiel zum April/Mai 1945, die Rolle der polnischen Befreier. Es kann mehr für Erinnerungskultur gemacht werden: es gibt z.B. recht wenige Stolpersteine im Kiez – Interesse an Gruppe, die sich mit Geschichte des Bezirks auseinandersetzt
  • Vertreter der Grünen Fraktion bewundert die Nachbarschaftsinitiative, stimmt zu, dass hier Vieles zu langsam geht, z.B. mit den zwei Pollern für die Krumme Straße, um Durchgangsverkehr aus dem Bezirk raus zu bringen. Ermutigt: Bleiben Sie dran! Die Verwaltung ist derzeit langsam wegen wenig Personal, wenigen finanziellen Ressourcen.
  • Thema Milieuschutz: Neubauten z.B. in Pestalozzistraße wird als Fremdkörper wahrgenommen, zu Bewohnenden kann trotz Versuchen der Hallo-Nachbar-Initiative kein Kontakt hergestellt werden
  • Pestalozzistraße war mal eine Sackgasse (in den 80ern?), das wäre wieder wünschenswert.

Leute aus dem Kiez nehmen am 1. Kiezgespräch teil, um ihre VOrstellungen eines lebenswerten Kiezes zu sammeln und zu formulieren.
Lockere und konzentrierte Arbeits- und Freizeit-Atmosphäre beim 1. Kiezgespräch im Karl-August-Kiez.
  • Vertreter der Linksfraktion hat bereits mit Nachbarschaftsinitiative zusammengearbeitet wegen Verkehr & Milieuschutz. Sorge wegen Entwicklung Berlins hin zu einer Stadt, wo Einwohner*innen nicht mehr leben können – Politik und Initiative sollten dagegen zusammenarbeiten
  • Wunsch, dass sich die Nachbarschaftsinitiative auch mal zu anderen Zeiten trifft und nicht immer abends, damit z.B. auch junge Mütter dazukommen können.
  • Motivation, Hochbeete zu bauen & zusammen Müll zu sammeln
  • Sorge um Konkurrenz zwischen den schwächsten Verkehrsteilnehmerinnen: Fahrradfahrerinnen und Fußgänger*innen sollten sich nicht gegeneinander ausspielen lassen! Leute fahren auf Gehwegen wegen der Angst, auf der Straße überfahren zu werden: Gefahr geht vom Autoverkehr aus – es braucht getrennten Auto- und Radverkehr, nicht nur offene Radstreifen
  • Krumme Straße: unnötiger Verkehr, Verkehrsleitsystem undurchdacht, LKW-Verkehr wird immer problematischer auch durch Zulieferung zu den Arcaden, Termine zur Adressierung des Problems werden immer weiter verschoben
  • Wunsch nach mehr Sitzgelegenheiten für Kommunikation und Miteinander, begehbares offenes/öffentliches Toilettenhäuschen, mehr Beleuchtung angesichts vieler oft dunklen Ecken/Bürgersteige abends
  • Wir sollten uns zuständig fühlen für das Putzen der vorhandenen Stolpersteine
  • Lastwagenproblem: es ist wirklich gefährlich, in so eng bewohnte Gegenden zu fahren
  • Statt Blumenzwiebeln gerne Insektenhotel, Wildblumenwiesen für Insekten und andere Kleinlebewesen
  • „Umkämpfter Platz“ Karl-August-Platz: Polizei spricht von „Clan-Territorium“, Erfahrung von Platzanwohner*innen, dass mitten in der Nacht schwere Autos auffahren und sich Gewaltszenen abspielen
  • Wunsch in Dialog zu kommen, Respekt für unterschiedliche Bedürfnisse zu entwickeln, wie z.B. die von Menschen, die wegen der Arbeit früh aufstehen müssen vs. die von Restaurant-/Kneipenbesucher*innern und -inhaber*innen: es sollte ein Miteinander sein im Kiez, keine kompromisslose Haltung von „zieht doch raus ins Grüne wenn es euch hier zu laut ist“
  • Positive Erfahrung in letzten Monaten mit dem Kümmern um Bäume, gemeinsame Verantwortlichkeit zu Gießen
  • Oberthemen Festlegung

Es werden nun gemeinsam Oberthemen vorgeschlagen, die sich aus den gehörten Ideen ergeben haben.

  1. Milieuschutz/Gentrifizierung
  2. Kiezschön: Platzgestaltung und -nutzung
  3. Kiezatmosphäre: Miteinander
  4. Kiezgeschichte
  5. „Beruhigen und Beunruhigen“ / Mobilität bedarfsgerecht
  • Gruppenenarbeit

Jede/r wählte sich selbst die Gruppe mit dem Thema was ihn/sie am meisten interessiert.
In den Gruppen wurden dann mindestens eine konkrete Projektidee/Vision entwickelt, die im Anschluss umgesetzt wird. Alle in den Gruppen sorgen selbstständig dafür, dass die Kommunikationsregeln eingehalten werden. Im Anschluss werden im Plenum die Projektideen vorgestellt.

Viele Menschen beim Kiezgespräch auf dem Karl-August-Platz.
Ordentlich was los beim 1. Kiezgespräch.
  • Vorstellen der Ergebnisse

1) Milieuschutz/Gentrifizierung:

  • Beratung von anwesenden Mitgliedern der SPD und LINKEN Fraktion: Antrag auf Milieuschutz kann mit mindestens 1000 Unterschriften an BVV gestellt werden
  • Mitstreiter*innen willkommen, Kontakt wird auf Nachfrage weitergegeben

2)     Kiezschön:

  • 1 Wildblumenwiesenbereich, jeweils 1 Hundebereich und 1 hundefreier Bereich
  • Aktion mit langer Tafel auf dem Platz
  • Hochbeete & kommunikative Sitzmöbel sollen eingerichtet werden (das könnte bei Studis der TU in Auftrag gegeben werden; private Stuhlspenden sind auch gerne gesehen)
  • Aufenthaltsraum für Jugendliche
  • Wer es schöner machen möchte, gern melden

3)     Kiezatmosphäre

  • Gute Kiezatmosphäre bedeutet Treffpunkte: Kiezgespräche regelmäßig, vielleicht alle paar Monate?
  • Stuhldepot zum (spontanen) Zusammensetzen arrangieren
  • Bücherzelle & Stammlokal
  • Nachbarschaftstreff/Kiezbüro
  • Wer sich dafür stark machen möchte, gleich melden.

4)     Kiezgeschichte

  • Kopfsteinpflaster unter Denkmalschutz stellen
  • Historisch informative Kiezspaziergänge – 1. Idee in Kombination mit Kinofilm zu polnischer Befreiung und Spaziergang im Anschluss zu relevanten Orten
  • Kiezspuren an einer Tafel auf dem Platz sichtbar machen
  • Wer diese AG unterstützen möchte, hier melden.

5)     Mobilität bedarfsgerecht „beruhigen und beunruhigen“

  • 1. Projekt: Krumme Straße einmal versuchsweise sperren, um Nachbarschaft erleben zu lassen, wie das sein kann: z. B. zu Straßenfest mit langer Tafel, Platz für Kinder zum Spielen usw.
  • Wer mitmachen möchte, bitte melden.
Erfahrenen Leute von KIEZconnect moderieren.
Moderiert wurde das 1. Kiezgespräch von den erfahrenen Leuten von KIEZconnect.

Das 2. Kiezgespräch ist schon in der Planung.

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