Bank auf Baumscheibe

Bezirksamt diskutiert über gestaltete Baumscheiben

Räumungsbescheid
Der »Beräumungsbescheid« für die 9 Baumscheiben in der Fritschestraße (Nord). Angebracht am 28. Juni, Frist bis zum 5. Juli 2021 – also nur eine Woche. Ist das fair?

»Wir bleiben zuversichtlich und heiter«, hört man aus der Fritschestraße (Nord) im Klausener-Platz-Kiez. 600 Unterschriften wurden in nur 4 Tagen gesammelt, erste Politiker, Fraktionen und Presse sind kontaktiert worden – und große Unterstützung kommt aus allen Richtungen – da sollte doch etwas möglich sein?

Offenbar ist etwas möglich: gestern, den 30. Juni, hat das Bezirksamt die Frist zur Entfernung vorerst ausgesetzt.

Das Fritsche-Licht
Das Fritsche-Licht leitet die Menschen sicher nach Hause.

Wir hatten bereits am 27. Juni berichtet, mit welch brachialer Art das Amt innerhalb weniger Tage sehr gepflegte Baumscheiben räumen lassen wollte. Die schriftliche Androhung zur »Beräumung« der Begrünung von Baumscheiben wurde am 28. Juni an Neun Bäumen aufgehängt.
Die engagierten Nachbarinnen und Nachbarn der Fritschestraße (Nord) haben umgehend schriftlichen Widerspruch beim Grünflächenamt CW gegen die überzogene Räumung der heimeligen Baumscheiben eingelegt, Fristaussetzung erbeten und Anträge auf Gestattung der privaten Baumscheibenbegrünung für 9 Baumscheiben gestellt. Die Fritsche-Initiative ist sich sicher, gerade »damit etwas Gutes für Charlottenburg-Wilmersdorf bewegen zu können, was in ganz Berlin aufmerksam verfolgt werden wird«. Das hoffen wir sehr, denn dieser blinde Verwaltungsakt ist demaßen unsensibel gewesen, wie selbst die größten Verwaltungskritiker es nicht für möglich gehalten hätten. Irgendein Schreibtischheini hat stillschweigend die Vorschriften für die Baumscheiben geändert – entgegen der Mitmach-Strategie anderer Bezirke.

Die Initiative im Nachbarkiez hat dem zuständigen Stadtrat am 30. Juni die knapp 600 Unterschriften persönlich überreicht. Vielleicht weiß er es zu würdigen, was es bedeutet, in so kurzer Zeit so viele Unterschriften zu sammeln bzw. wie viel Unterstützung der Menschen das bedeutet. Wir werden sehen, ob das hier im Hintergrund stehende Thema der Verschärfung der Baumscheibenvorschriften in der nächsten BVV behandelt wird – im diesjährigen Klimawahlkampf ist ja so einiges möglich. Die Fraktionen und der Bezirksbürgermeister sollen jedenfalls kurzfristig angesprochen werden. Auch Nabu und BUND werden um Hilfe gebeten, sind die Baumscheiben doch ein wichtiger Teil der schützenswerten Umwelt, die in der autogerechten Stadt permanent vom Aussterben bedroht sind.

Unsere schlecht behandelten Sauerstoff- und Staub-Sklaven

Amtlich zugelassene Baumscheibe.

Straßenbäume werden leider nur ein Bruchteil so alt, wie ihre Artgenossen in unberüherten Wäldern. Das liegt vor allem an den widrigen Umständen ihres Standortes: mit Harnsäure chemisch abgetöteter Boden, wegen des Klimawandels zu wenig Wasser, durch Kippen vergiftet, von Fahrrädern verletzt, von Kot infiziert, versalzen im Winter, von Tritten verdichtet, zerstochen von den Reisszwecken Wohnungssuchender. Die Pflege der Kleinstgärten durch Menschen im Kiez ist für die Baumscheiben – und damit für die Bäume – wie eine Ölung: der Boden wird aufgelockert, von Giftmüll befreit, die Harnsäure wird verdünnt, die bösen Keime weggeschwemmt. Der Boden bleibt dadurch am Leben und kann dem Baum behilflich sein, Wurzeln zu stärken und so seine Standfestigkeit zu erhöhen. Zusätzliche Vegetation schützt die Bäume vor Verletzungen. Würde das Grünflächenamt sich rigoros durchsetzen, wären die freiwilligen Pflegekräfte natürlich enttäuscht und demotiviert. Die Baumscheiben würden vermutlich wieder in den amtlich verordneten Ödlandzustand fallen und einen langsamen Tod sterben.

Am Freitag, den 2. Juli, wird die Initiative einen Pressetermin mit der Berliner Woche haben: um 11 Uhr vor der Fritschestraße 29. Außerdem um 10 Uhr eine Begehung mit dem Fachbereichsleiter beim Grünflächenamt.
Wer kennt eine*n „Baumscheiben-Botaniker*in“, die/der mit Expertise beraten und beistehen könnte? Sonst besorgt die Klimaliste Berlin (Bezirksgruppe Charlottenburg-Wilmersdorf) einen Diplom-Agrarwissenschaftler und Baumexperten. Wer am Freitag um 11 Uhr beim Pressegespräch dabei sein möchte, ist herzlich eingeladen. Bitte kurze Mail an Jörg Winners [Anm. d. Red.: nachträglich wieder entfernt] von der Initiative Fritschestraße.

Die Nachbarschafts-Initiative ist zum Beispiel auch auf nebenan.de vertreten: https://nebenan.de/feed/16981216
Die Wirtin von Birgits Pub macht auf Facebook auf die aktuelle Lage aufmerksam: https://www.facebook.com/birgits.pub
Für die Presse, weitere helfende Hände und mehr Unterstützende ist die Initiative auch direkt erreichbar: ℅ Jörg Winners & Hans Jürgen Zschäbitz, Fritschestraße 29 / 29a, Mobil: +49-172-392xxxx [Anm. d. Red.: nachträglich wieder entfernt].

Hier noch einmal der Link zum ersten Akt des Dramas: Bezirksamt verbietet kunstvoll gestaltete Baumscheiben.

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