Bezirksamt verbietet kunstvoll gestaltete Baumscheiben

Die mit viel kreativem gärtnerischem Geschick gestalteten Baumscheiben in der Fritschestraße (Nord) sollen geräumt werden.

Ein dringender Hilferuf aus dem Nachbarkiez: Das Bezirksamt Charlottenburg will die wundervollen Baumscheiben in der Fritschestraße (Nord) räumen. Am 28. Juni veröffentlicht das Bezirksamt an den Baumscheiben den Räumungsbefehl. Eine Frist von nur einer Woche steht den Baumpaten zu Verfügung – oder den Charlottenburgern, um Druck auf das Bezirksamt auszuüben. Das Thema geht uns alle an, denn es geht um Behördenwillkür, die alle und jeden treffen kann. Zumindest tausende weitere Baumscheiben im Bezirk.

Es ist unbegreiflich: seit fünf Jahren sind die gestalteten Baumscheiben in der Fritschestraße zwischen Bismarckstraße und Zillestraße geduldet. Kein Wunder, sind sie doch einfach nur schön und in keiner Weise gefährdend. Jetzt sollen diese kleinen Kunstgärten innerhalb von sieben Tagen verschwinden. Mit viel Liebe und Kreativität wurden rund zwei Handvoll Baumscheiben zu kleinen Zaubergärten gemacht. Mit viel spannendem Grün und künstlerischer Dekoration. Die meisten Menschen im Kiez lieben diese Baumscheiben, alle akzeptieren sie. Es gibt schließlich auch noch genug Baumscheiben ohne Pflege und Gestaltung, die sich Menschen mit anderen Gestaltungsansprüchen vornehmen können. Selbst die umstrittenen Kiesgärten-Gestaltung ist in Charlottenburg möglich – praktiziert das BA sie doch selbst.

Sofort hat sich eine engagierte Nachbarschafts-Initiative zur Rettung der Baumscheiben gegründet, die am 26. Juni noch bis in die Nacht Ideen für Lösungen gesucht und diskutiert hat. Eine Sofortmaßnahme sind Unterschriftenlisten, mit denen jeder seinen Unmut über diese Anordnung ausdrücken kann. Eine Unterschriftenliste liegt in Birgits Pub in der Fritschestraße 29 von Montag bis Samstag ab 16 und bis 22 Uhr bereit. Noch bis Dienstag Abend nach dem Deutschland — England-Spiel wird gesammelt. Ob die Unterschriften politisch bzw. juristisch eingesetzt werden können, ist bisher noch offen.

Lieber Ulli Zelle, hörst Du uns? Komm doch mal für die Berliner Abendschau vorbei. Die Vorgehensweise des Bezirksamtes ist unerhört. Man kann doch nach fünf Jahren Duldung nicht sieben Tage Frist setzen. Ob die Gestaltung der Baumscheiben wirklich so ungeeignet ist, um die Bäume zu schützen, muss ein Gutachten klären. Die Kosten dafür sind angemessen, da ein Stadtbaum bis zu seinem frühen Tod uns Steuerzahler Tausende von Euro kostet. Bäume ohne lebende Baumscheiben sterben um so früher, je weniger gepflegt wird. Aber die Wieder-Beschaffungskosten in der Zukunft spielen für den jetzigen Stadtrat offenbar keine Rolle.

Der grüne Stadtrat für das Grünflächenamt ahnt vermutlich, dass er sowieso nicht wiedergewählt werden wird. Nichts desto trotz sollte man jetzt schleunigst mit ihm reden. Vielleicht soll die Aktion ja genau das bewirken, damit er mal wieder in die Presse kommt.

Mit der Stärke der Einigkeit kann die Macht, die vom Volke ausgeht, das Bezirksamt besiegen – denn eigentlich soll die Verwaltung den Menschen dienen. In diesem Fall versorgt der Amtschimmel mal wieder lediglich sich selbst mit einfacher und ungefährlicher Textbaustein-Arbeit. Diese Leute haben sichere Arbeitsplätze und satte Pensionen – die sollen sie eigentlich für ihre Arbeit als Diener für das Volk bekommen.

Wir werden das in dieser Woche aufmerksam beobachten – nicht nur weil bald Wahlen sind. Diskutiert wurde zum Beispiel, die Patenschaft der Baumscheiben diese Woche schnell anzumelden. Sollte die Behörde die Anträge – die natürlich gemäß der eigenen Bestimmungen – ablehnen, müssen sie das begründen. Die Demokratie hat sich keinen Gefallen getan, als sie vergaß, den AmtsleiterInnen einen Mechanismus gegen deren Willkür zu spendieren. Deshalb ist es im Interesse des Klimas im Bezirk sehr wichtig, wie diese Sache ausgeht: sie ist richtungsweisend für andere Baumscheiben in Charlottenburg-Wilmersdorf. Für ganz Berlin ist eine einheitliche Regelung sinnvoll.

Bleiben Sie dran! Schreiben Sie an das Bezirksamt, den Bürgermeister, den Stadtrat, das Grünflächenamt. Verbreiten Sie diese Amtswillkür in den Netzen – auch offline. Diskutieren Sie mit. Hinterlassen Sie überall Kommentare. Pflanzen Sie, was das Zeug hält!

Die Nachbarschafts-Initiative ist zum Beispiel auf nebenan.de vertreten: https://nebenan.de/feed/16981216
Die Wirtin von Birgits Pub macht auf Facebook auf die Lage aufmerksam: https://www.facebook.com/birgits.pub
Für die Presse, helfende Hände und mehr Unterstützende ist die Initiative auch direkt erreichabr: ℅ Jörg Winners & Hans Jürgen Zschäbitz, Fritschestraße 29 / 29a, Mobil: +49-172-392xxxx. [Anm. d. Red.: nachträglich wieder entfernt].

Hier gehts zum zweiten Teil des Dramas: Bezirksamt diskutiert nun doch über gestaltete Baumscheiben.

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