beamer-Praesentatiuon beim ersten Kiez.bLock-treffen von CCities.org

Karl-August, Bergmann und andere Kieze

Am 12. Dezember 2019 lud der Verein Changing Cities zu einem Erfahrungsaustausch der Berliner Initiativen ein, die sich eine Beruhigung des Verkehrs in ihrem Kiez zum Ziel gesetzt haben. Das Treffen diente auch der Vernetzung und Überlegungen zur gegenseitigen Unterstützung. Anwesend waren Vertreter aus dem Bergmannkiez, aus Pankow, Mitte, Kreuzberg/Friedrichshain, Rummelsburg und wir aus Charlottenburg.

Anfangs erhielten wir einen ausführlichen Überblick über die Strukturen, die bereits in anderen Städten und Ländern erfolgreich eingesetzt werden, um Kieze oder Blöcke zu entschleunigen. Folgende sechs Konzepte wurden exemplarisch vorgestellt:

  1. Verkehrsumlenkung
  2. Kompartment (Sperren/Modalfilter)
  3. Superblock
  4. Begegnungszonen (Shared Spaces)
  5. Autofreier Kiez (z. B. Ernst-Thälmann-Park im Prenzlauer Berg)
  6. Ostkreuz-Kiezblock
Fast schon eine kleine Konferenz kam zum Treffen bei Changing Cities am Abend des 12.12.19 zusammen, um über verkehrspolitische Ziele von Nachbarschaftsinitiativen zu sprechen.

Noch während der Präsentation und auch im Anschluss daran wurde nicht nur über viele Fragen der Organisation sondern auch über Erfolge und Probleme bei der Umsetzung gesprochen. Für Projekte wie unseres, welche noch am Anfang stehen, sind das sehr wertvolle Informationen, da wir Probleme, die in anderen Initiativen aufgetreten sind, von vornherein verhindern können.

Als ein positives Beispiel wurde der Bergmannkiez genannt. Die Einrichtung eines Superblocks nach dem Vorbild in Barcelona wird von der Politik und den Anwohnern gleichermaßen getragen und dementsprechend zügig beschlossen.

Wir erfuhren auch, welche kritischen Folgen die unvollständige Umsetzung einer Verkehrsberuhigung in einem anderen Quartier in Friedrichshain/Kreuzberg hervorgerufen hat. Statt die Beruhigung des gesamten Kiezes zu erreichen, würden jetzt einige andere Straßen im Quartier als Ausweichrouten zwischen den umliegenden überregionalen Straßen genutzt. Das führt in einigen Wohnstraßen plötzlich zu einer deutlich höheren Verkehrsbelastung. Der motorisierte Individualverkehr nutze alle Möglichkeiten aus, die bestehenden Sperrungen zu umgehen und die dazu benötigte Zusatzzeit durch höhere Geschwindigkeit wieder aufzuholen, wurde berichtet. Selbst eine häufige Nichtbeachtung von Einbahnstraßen sei dort zu sehen. Dieser Kiez sei auch nicht gut durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erschlossen, was die Akzeptanz von verkehrsberuhigenden Maßnahmen erschwere. Jetzt gibt es sogar eine Gegen-Initiative, die die Verkehrsberuhigung wieder abschaffen will.

Für uns lassen sich aus diesen Beispielen eine Menge Schlüsse ziehen:

  • Wir müssen für eine breite Unterstützung der Anwohner*innen sorgen.
  • Der Verkehrsdruck ist durch die Wilmersdorfer Straße sehr hoch. Wir haben in unserem Kiez aber mit 2 U-Bahnen, der S- und Regionalbahn so wie mehreren Buslinien eine extrem gute Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Ein großzügiges Ausweichen auf den ÖPNV ist daher problemlos möglich. Zudem haben wir mehrere Parkhäuser bzw. Tiefgaragen an den Rändern unseres Kiezes, die das Parkaufkommen vollständig aufnehmen können.
  • So lange es aber durchgängige Verbindungen zwischen den umliegenden Hauptstraßen gibt – wie die Krumme Straße zwischen Kant- und Bismarckstraße oder die Schillerstraße zwischen Kaiser-Friedrich-Straße und Leibnizstraße – wird der anwohnerfremde Durchgangsverkehr nicht aus unserem Kiez herauszuhalten sein. Die Sperrung der Krumme Straße gehört ja bereits zu unseren Kernforderungen. Wichtig ist hier, dass es aber auch eine Sperrung der Vorfahrt zur Trinitatis-Kirche gibt. Ansonsten wird diese vermutlich als Umgehung der Sperrung genutzt werden.
  • Die Verlängerung der Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße bis zur Bismarckstraße könnte den Durchgangsverkehr aus der Schillerstraße heraus halten – leider ist das bislang von der initiierenden CDU nicht vorgesehen. Hier muss dringend nachgebessert werden.

Bereits im Januar wird es ein Folgetreffen in der Stadtwerkstatt am Alexanderplatz von Changing Cities geben. In diesem Workshop soll es um konkrete Hilfestellungen bei der politischen Arbeit in den Stadtbezirken für unsere Verkehrskonzepte gehen. Wir sind sicher wieder dabei und heute schon gespannt, von den Erfahrungen anderer Kiez-Initiativen zu hören und zu lernen.

Holger für die Nachbarschaftsinitiative »Karl-August-Kiez lebenswert«

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