Karl-August geht über Grenzen

Durch unseren Kiez zieht sich eine Grenze! Nicht nur der hohe Autoverkehr auf der Krumme Straße trennt den westlichen Teil vom östlichen, auch die Grenze der Polzeiabschnitte 24 und 25 verläuft in unserem Kiez entlang dieser Straße. Am frühen Morgen des 10.03.2020 trafen wir uns mit Beamt*innen der beiden für unser Quartier zuständigen Polizeiabschnitte zu einem Kiez-Spaziergang.

Zum Abschnitt 25 hatten wir schon frühzeitig Kontakt aufgenommen, damals noch in Unkenntnis über die Aufteilung. Herr Dubrau, der Leiter der ersten Dienstgruppe dieses Abschnitts hat uns dann über diese Teilung informiert und angeboten, die Kolleg*innen vom Abschnitt 24 über unsere Initiative zu informieren.

Wir haben dann einen gemeinsamen Spaziergang beschlossen, zu dem wir uns am heutigen Morgen mit 7 Polizist*innen aus beiden Abschnitten getroffen haben. Aus Abschnitt 24 kamen zwei Dienstgruppenleiter und ein Straßenverkehrsabschnittsbeamter, aus Abschnitt 25 drei Dienstgruppenleiter*innen und ein Stellvertreter.

Präsenz beruhigt schon mal

Um diese Zeit ist in unserem Kiez keine übliche Verkehrslage. Der Verkehr ist zwar recht rege, die Parkplatzsituation aber entspannt, so dass die meisten Stellen, die Abends und am frühen Morgen widerrechtlich zugeparkt sind, frei waren. Da der ‘ruhende Verkehr’ in Berlin sowieso vom Ordnungsamt überwacht wird, haben wir nur kurz darauf hingewiesen und uns auf die Verkehrssituation konzentriert.

Angefangen haben wir unsere kleine Tour wieder vor dem Thomas Eck. Es war interessant zu sehen, wie sich der Verkehr allein dadurch entschleunigt, dass Polizist*innen am Rande stehen obwohl es offensichtlich war, dass dort niemand die Geschwindigkeit gemessen hat und wir zudem im Gespräch vertieft waren.
Das führt zu der Erkenntnis, dass die Fahrer*innen grundsätzlich wissen, dass es sich um einen verkehrsberuhigten Bereich handelt. Auch zeigt sich, dass eine Polizeipräsenz durchaus für den Moment effektiv ist, allerdings nicht nachwirkt.

Wir sind dann über den Karl-August-Platz geschlendert und habe dort kurz die Problematik mit den zugeparkten Gehwegen/Marktflächen und Zufahrten zur Kirche angesprochen. Die Geschichte mit den entfernten Ketten vor der Kirchenzufahrt konnten wir natürlich nicht unerwähnt lassen. Für die, die es noch nicht wissen: Die Kette wurde entfernt, da sie als Stolperfalle für Fußgänger galt. Das kann durchaus berechtigt sein – eine Alternative wurde aber erst gar nicht in Betracht gezogen.

Verkehrserziehung durch Baumaßnahmen

Weiter ging es über die Weimarer Straße zur Einmündung der Schillerstraße in die Leibnitzstraße. An dieser Einmündung ist der Fußgängerweg zwar abgesenkt, aber durchgezogen. Zudem ist auf der Leibnitzstraße eine Mittelinsel installiert, die das links-Einbiegen aus der und in die Leibnitzstraße verhindert. Dieses ist nach unserer Erfahrung durchaus eine funktionieren Maßnahme zur Verkehrsberuhigung. Selbst auf der Leibnitzstraße halten Autofahrer unerwartet oft, um Fußgänger und Radfahrer queren zu lassen.
Das führt zu der Erkenntnis, dass bauliche Maßnahmen einen nachhaltigen Einfluss auf den Verkehr ausüben können.
Wir wurden aber auch darauf Aufmerksam gemacht, dass diese Form der Einmündung nur sinnvoll in Verbindung mit einer Mittelinsel der querenden Straße ist. Die verkehrsberuhigte Straße ist bei dieser baulichen Maßnahme mit einer privaten Einfahrt gleichzusetzen.

Verkehrsdruck ist stärker als Baumaßnahmen

An der Kreuzung Schillerstrasse Ecke Krumme Strasse zeigte sich dann ein anderes Bild: Dort werden zwei Zone-30-Straßen und zwei verkehrsberuhigte Straßen zusammengeführt. Die gesamte Kreuzung ist dabei bereits verkehrsberuhigt und so sind auch fahrbahnverengende Fußwegvorsprünge umgesetzt. Dieses führt hier aber auf Grund des hohen Verkehrsdrucks nicht zur Reduzierung des Verkehrs, sonder vielmehr zu häufigem aggressiven Verhalten, wenn Autos von allen vier Seiten kommen und die Weiterfahrt blockiert wird.
Daraus folgt die Erkenntnis, dass auch bauliche Maßnahmen kein Garant für eine wirksame Verkehrsberuhigung sind, wenn nicht gleichzeitig der Verkehrsdruck reduziert wird.
Durch eine Sperrung der Krumme Straße und eine bis zur Bismarckstraße durchgezogene Fußgängerzone in der Wilmersdorfer zur Unterbrechnung der Schillerstraße würde dieses Verkehrsproblem behoben.

Über die Sesenheimer Straße, deren Feuerwehrzufahrt genauso wie die zum Spielehaus sehr häufig zugeparkt ist, sind wir zur Ecke Schillerstraße / Wilmersdorfer Straße gelaufen, an der wir unseren Rundgang beendet haben. Dort haben wir noch erfahren, dass die Unfallzahlen in unserem Kiez durchaus niedrig sind. Gottseidank waren die beiden schweren Unfälle, die sich innerhalb der letzten 3 Jahre an der Krumme- / Ecke Schillerstrasse ereignet haben nicht symptomatisch für den Kiez – für diese Kreuzung vermutlich schon.

Mehr Kontrolle braucht mehr Baumaßnahmen

Natürlich kennen die Beamt*innen die neuralgischen Punkte in unserem Kiez. Leider herrscht im Abschnitt 24 genauso wie im Abschnitt 25 ein akuter Personalmangel, so dass eine regelmäßige Kontrolle unserer Straßen nicht möglich ist. Zudem haben wir ja festgestellt, dass diese auch nur dann sinnvoll sind, wenn gleichzeitig bauliche und verkehrsreduzierende Maßnahmen umgesetzt werden.
Wir haben bei dem Spaziergang viele zusätzliche Informationen bekommen. Es ist erfreulich zu erfahren, wie viel Kompetenz in Fragen der Verkehrsführung bei der Polizei vorhanden ist.

Wir möchten uns auf diesem Wege nochmal herzlich bei den beiden Polizeiabschnitten bedanken, dass sie uns Ihre Zeit, Erfahrungen und ihr Wisssen zur Verfügung stellen.

Holger Dehnhardt

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