Savignyplatz: leider noch ein Geisterrad

Am Freitagnachmittag, den 7. Februar 2020, wurde ein Radfahrer am Savignyplatz von einem PKW-Fahrer tödlich verletzt. Auf der Busspur, in einem Abschnitt, der Tempo 30 vorschreibt. Das ist bereits der 5. Unfall mit Todesfolge für Radfahrende in diesem Jahr in Berlin. Am Sonntag kamen viele Nachbar*innen, Radfahrer*innen, sowie Aktivist*innen von ADFC und Changing Cities zur Mahnwache am Savignyplatz zusammen.

Ansprache von Yvonne Hagenbach, im Vorstand von Changing Cities, auf der Mahnwache am Savignyplatz.

Es werden immer mehr: weiße Fahrräder am Straßenrand, an Kreuzungen unserer Stadt. Sie erinnern an Verkehrsunfälle, bei denen Radfahrer*innen tödlich verunglückten. Eines stehtseit dem Sommer 2019 im Karl-August-Kiez an der Ecke Krumme Straße und Schillerstraße. Im Dezember 2019 wurde eines am Luisenplatz vor der Schlossbrücke aufgestellt. Seit Sonntag steht nun ein Geisterfahrrad am Savignyplatz.

Das macht traurig und wütend. Traurig, weil ein Mensch aus dem Leben gerissen wurde. Ein Mensch. der geliebt wurde, der gebraucht wurde, der noch so viel vorhatte, der plötzlich fehlt. Wütend, weil wir das Mobilitätsgesetz haben, das dem Fahrrad und Fußgängern in der Stadt mehr Sicherheit und Raum schaffen soll. Und doch sterben immer mehr Radfahrer und Fußgänger im Berliner Straßenverkehr, weil motorisierte Verkehrsteilnehmer sie übersehen, überfahren, überrollen.

Wir sind betroffen und voller Anteilnahme bei den Angehörigen und Freund*innen des Radfahrers.

An einem Tag wie diesem, wo ich auf der Mahnwache die Verbündeten in Sachen #Verkehrswende und nachhaltige Stadtentwicklung von Changing Cities, vom ADFC treffe, vom Netzwerk Fahrradfreundliches Charlottenburg-Wilmersdorf, von GermanZero, vom Kiezbündnis Klausnerplatz, merke ich wieder, dass es gut und wichtig ist, dass wir uns um unser Quartier kümmern und uns dazu mit der Stadt vernetzen.

Wir sind ein Teil von Charlottenburg, von Berlin. Unsere Verkehrsprobleme sind auch die Verkehrsprobleme unserer Nachbar*innen. Unsere Fragen und Wünsche zur Zukunft des Karl-August-Kiezes werden ähnlich an vielen Stellen der Stadt von Bürger*innen, engagierten Gruppen sowie Politiker*innen diskutiert und bearbeitet.

Wo immer wir unterwegs sind, wie wir unterwegs sind: Rücksicht sollte überall und jederzeit mitfahren.

Alles andere, was Radfahrer und Fußgänger schützt, was den Stadtraum für alle Verkehrsteilnehmer sicher, was das Mobilitätsgesetz zur Wirklichkeit macht – dafür müssen wir streiten, uns einsetzen und Mehrheiten gewinnen. Wenn Kinder und Senioren ohne Angst auf die Straße gehen, dann werden unsere Quartiere wieder lebenswert. Das wünschen wir uns und allen anderen Nachbarschaften in Berlin.

In den letzten Tagen gab es diese gute Nachricht: In Oslo und Helsinki kam es 2019 zu keinen Verkehrsunfällen mit Todesfolgen für Fußgänger*innen und Radfahrende. Wir wollen, dass das in Berlin auch erreicht wird!

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