Plätzchen in Form des Karl-August-Kiez

Seine Majestät der Carl-August-Keks

Plätzchen in Form des Karl-August-Kiez
Seine Majestät der Carl-August-Keks

Beim diesjährigen Wettbewerb der grandiosesten Kekse im Großherzogtum des Carl August von Sachsen-Weimar-Eisenach hat der kiezförmige Plätzchenkeks von Hoflieferantin Liese P. das Rennen klar gewonnen. Die Initiative gratuliert ganz herzlich und bedankt sich für die Leckerei.

Das filigrane Backwerk ist mit den zwei geschälten – mithin nackten – Mandeln der Dualität versehen, die den größtmöglichen Abstand zweier Eckpunkte markieren. Eine korinthische R10-Rosette repräsentiert die stilisierte Fenster-Blume im Chor der Trinitatiskirche sowie diese selbst, deren Bau 1896 mit den finanziellen Mitteln der erfolgreichen ansässigen und Weimarer Bäcker finanziert wurde (nur drei Jahre, nachdem die Stadt Charlottenburg zur Großstadt wurde). Die Architektur der Kirche selbst zitiert das Muster mehrmals.

Trinitatis und Karl-August-Platz
Quelle: Wikimedia

Die – bewusst oder zufällig – überzeichnete Asymmetrie der Trapezform des Kiezes ähnelt schon fast dem sprichwörtlichen Drachen im Kampf gegen den Verkehrsinfarkt, der zur Fertigstellung 1898 noch nicht absehbar war. Im Gegenteil, hielt man doch die Planung für besonders großzügig.

Auch die unglasierte und damit rustikale Oberfläche steht als Symbol für die Unbill der politischen Arbeit in Zeiten der autogerechten Stadt und industriellen Keksproduktion. Die vernarbten Furchen als sichtbarer Beweis der Standhaftigkeit. In Erwartung über den Sieg in diesem Kampf, gleich David gegen Goliath, weist der Drache mit dem Kopf nach unten – er stürzt zu Boden und der Keks zerspringt in Myriaden von Beweisstücken der Endlichkeit.

Ein Meisterwerk der zeitgenössischen Kekskunst.

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