4. Barcamp autofrei

Wir waren dabei: 4. Barcamp autofrei

Am Mittwoch, den 20.11.2019, nahmen zwei Mitstreiter von Karl-August-Kiez_lebenswert am 4. Barcamp autofrei teil, um zu erfahren, welche Strategien es gibt und welche Erfahrungen andere schon gemacht haben, um in ihren Quartieren weniger Autos und weniger Autoverkehr zu haben.

Foto: Heinrich Strößenreuther

Unter dem Motto der Naturfreunde „Autofrei und Spaß dabei“ trafen sich am 20.11.2019 in den Räumlichkeiten des LIFE e.V. in der Rheinstraße circa 20 Aktive verschiedener Berliner Bürger- und Nachbarschaftsinitiativen und Vereine zu einem Barcamp. Geleitet und moderiert wurde der Abend von Heinrich Strößenreuther, Mit-Initiator des Volksentscheid Fahrrad in Berlin und Mitgründer von Changing Cities e. V. sowie von Heiko Bruns, Berliner Vertreter von autofrei leben e. V.

Um den großen Rahmen im Kontext von Globaler Erwärmung, Klimaschutz und Verkehrswende zu schlagen, stellte Heinrich seine aktuelles Projekt „German Zero“ vor. Damit wollen er und viele Unterstützer ein klimaneutrales Deutschland bis spätestens 2035 erreichen. Für diese Mission haben sie ein Gesetzespaket vorbereitet, mit dem das 1,5-Grad-Ziel eingehalten würde, inklusive einer CO2-Steuerreform.

Mission Zero – alle Aktionen einmal groß denken

Heinrich Strößenreuther erklärte uns den straffen Zeitplan, die Finanzierung sowie wirtschaftliche und politische Gegner dieses Ziels. Am 17. Dezember 2019 werden sie den Masterplan vorstellen. Im nächsten Jahr, 2020, wollen sie durch aktive Medienarbeit und die Vorbereitung von Gesetzesentwürfen die Umsetzung weiter treiben, so dass 2022 der Gesetzgeber*in in einem Bundesgesetzes verbindlich das nationale Klimaschutzziel beschließen soll. So könnte die Klimakatastrophe – also eine globale Erwärmung von bis zu 4 Grad – doch noch verhindert werden.

Autofreie Aktionstage und Kiezlabor Mobilität

Dann stellte die Initiative lokale Verkehrswende (INLOVE), ein Projekt von Life e.V. der Gruppe autofreie Aktionstage vor, wie etwa den internationalen Parking Day, den es seit 2013 gibt. Spannend war für uns, dass dafür keine Sondernutzungsgenehmigungen notwendig sind. Das zweite Projekt von INLOVE ist das „Kiezlabor Mobilität“, in dem Anwohner sich neue Ansätze für Mobilität in ihrem Quartier überlegen und testen.

Sommerflotte und Spielraum auf der Mierendorff-Insel

Rolf vom Insel Projekt Berlin berichtete von der u. a. durch BMW gesponserten Kampagne „Deine Sommerflotte 2019“ auf der Mierendorff-Insel, bei der 42 Autofahrer für einen Monat auf ihre PKWs verzichteten und statt dessen kostenlos 21 alternative Angebote wie Carsharing, Lastenräder, E-Roller, E-Scooter, ÖPNV etc. kostenlos nutzen konnten. Das Ergebnis war, dass die Autofahrer zu 98% den ÖPNV als alternatives Fortbewegungsmittel wählten. Im Rahmen des Projekts wurden außerdem für zwei Wochen auf 13 dafür freiwillig durch Autofahrer geräumten Parkplätzen Aktionen für mehr Aufenthaltsqualität im Straßenraum durchgeführt – abgestimmt mit und genehmigt vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Die frei gewordene Straßenfläche wurde interimsmäßig möbliert, begrünt und für Aufenthalte, Veranstaltungen zum Spielen etc. genutzt.

© Heinrich Strößenreuther

Viel Bürger*innenbewegung in Berliner Kiezen

Die für uns erfolgversprechendsten, effektivsten Ansätze waren:

(1) Temporäre Spielstraßen

Die einfach zu beantragende und durchzuführende, jahreszeitlich und terminlich begrenzte, kostenlose Aktion einer „Temporären Spielstraße“ (seit 08/2019 in Berlin), für die nur zwei entsprechende Verkehrsschilder und zwei Verantwortliche nötig sind. Für den ausgeschilderten Zeitraum müssen die dort abgestellten Fahrzeuge die Straßen verlassen. Diese Regelung gibt es bereits in Kreuzberg (Böckstraße in der Sommersaison jeden Mittwoch 14 – 18 Uhr), in Pankow und Prenzlauer Berg. Wir werden prüfen, ob die BVV Cha-Wi diese Möglichkeit, Spielstraßen befristet zu schaffen, schon unterstützt. Dann sollten auch Nebenstraßen in Charlottenburg und Wilmersdorf temporär zu Spielstraßen werden.

(2) Protestpicknick auf der Straße

Protestpicknicks auf stark befahrenen Straßen, wie z. B. der Katzbachstraße in Kreuzberg, die dort zu der Einrichtung einer 30-Zone durch die zuständigen Senatsverwaltung SenUVK geführt hatte.

(3) Autofreie Aktionstage

Parking day“ als Aktionstag ohne Sondernutzungsgenehmigungen: am 18. September 2020 findet er zum nächsten Mal weltweit statt, auch in Berlin. Ziel ist es, die Straßen von parkenden Autos zu befreien und Parkräume anders zu nutzen (Unterstützung/Koordination/Dokumentation ab Sommer 2020).

(4) Kreuzungswege freihalten

Markierung des 5-Meter-Bereichs an Kreuzungen mit „Kreidespray“ (hält ca. 2 – 3 Monate).

(5) Fahrräder- und Roller-Parkplätze schaffen

Schaffung zusätzlicher Fahrrad- und Rollerabstellmöglichkeiten im 5-Meter-Bereich von Kreuzungen.

(6) Straßenbahnen überall

Die verstärkte Wiedereinführung bzw. Verlängerung von Straßenbahnlinien – wo möglich – als effektives, kostengünstiges Massenverkehrsmittel für Menschen und Güter (wie in den 50er Jahren in Berlin).

©Heinrich Strößenreuther

Als Inspiration für unserer lokalen Initiativen und im Verbund könnten wir uns gemeinsam dafür einsetzen:

  1. Mehr Fahrradwege

Parkplätze wegfallen zur Schaffung breiterer, am besten separater Fahrradwege

  1. Teure Strafzettel

Die „Falschparker-Gebühren“ werden ab 2020 auf 55 bis 100 Euro erhöht

  1. „Tag des guten Lebens“ veranstalten

Wir beteiligen uns mit Einladungen am „Tag des guten Lebens“, der zum nächsten Mal am 7. Juni 2020 stattfindet.
Mit langen, gedeckten Tischen für Anwohner auf Straßen und Plätzen erobern wir die Verkehrsflächen im Kiez. An dem Tag findet auch traditionell die Fahrradsternfahrt statt.

  1. 12. Juni 2020 – Olympia-Tickets kaufen

Crowdfunding unterstützen und dann mitmachen bei der Initiative des Start-ups „Einhorn“ für „Deutschlands größte Bürger*innenversammlung“ am 12. Juni 2020 im Olympiastadion (je 50.000 Stimmen sind nötig, sollen elektronisch über das Handy gesammelt werden, Crowdfunding läuft)

Was machen wir jetzt?

Die am 20.11 vorgestellten Folien und Teilnehmerlisten sollen allen durch den LIFE e.V./autofrei leben e.V. noch elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Das 5. Barcamp soll im Februar 2020 stattfinden. Wir haben viele Ideen und Impulse mitgenommen und würden am liebsten ganz schnell einiges davon in die Tat umsetzen. Aber wir wissen auch: Das macht viel Arbeit, auf vielen Ebenen. Wir bleiben dran und danken allen für diesen Abend, an dem wir viel von Euch und mit Euch gelernt haben! Und gelacht.

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2 Gedanken zu “Wir waren dabei: 4. Barcamp autofrei”

  • Holger Dehnhardt
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